Soziokratie

Soziokratie – soziokratische Kreismethode (SKM)

Soziokratie (lat. socius = Gefährte, griech. kratein = regieren) ist ein Modell der Entscheidungsfindung und Steuerung in Prozessen und Organisationen, das von der Gleichwertigkeit aller Beteiligten ausgeht. Die wichtigsten Prinzipien sind, dass nur dann eine Entscheidung getroffen wird, wenn keine/r der Anwesenden einen schwerwiegend begründeten Einwand hat
(= Konsentprinzip* oder Kein-Einwand-Prinzip) und das alle in einem Kreis zur Entscheidung beitragen.

Grundprinzipien der Soziokratie:

1. Konsentprinzip*
Eine Entscheidung gilt dann, wenn kein Teilnehmer einen schwerwiegenden und argumentierten Einwand gegen einen zu fassenden Beschluss hat.

2. Organisation in Kreisen (Arbeitskreise)
Ein Kreis ist eine Gruppe von Personen, die regelmäßig zusammenkommen und ein gemeinsames Ziel erreichen wollen. In diesem Kreis werden alle Grundsatzentscheidungen getroffen und ausgeführt

3. Doppelte Koppelung der Kreise (soziokratisches Organisationsmodell)
Die Verbindung zwischen zwei Kreisen besteht aus einer doppelten Verknüpfung (siehe Bild links oben). Einmal wird von oben eine LeiterIn bestimmt, dann von unten ein/e DelegierteR gewählt. Das bedeutet, dass wenigstens zwei Personen eines Kreises an der Beschlussfassung im nächst höheren Kreis beteiligt sind.

4. Soziokratische Wahl von Personen 
FunktionsträgerInnen (ArbeitskreisleiterInnen) und Delegierte werden nach offener Besprechung und mit Konsent* gewählt.

* Konsent ist nicht Konsens! Konsent heißt nicht „Ja, ich stimme zu!“, sondern „Ich habe keinen schwerwiegenden Einwand dagegen“. Ein solcher Beschluss wird in dem Kreis gemeinsam auf der Basis von Argumenten gefunden und liegt dann innerhalb des Toleranzbereiches jedes Mitwirkenden im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel.

Durch diese vier Grundprinzipien entwickelt sich ein vertieftes Verantwortungsbewusstsein. Durch die gezielte Einflussnahme aller Gruppenmitglieder, wird die Macht gleichermaßen unter allen verteilt. Die Entscheidungen haben eine hohe Akzeptanz und werden gemeinsam getragen.

Soziokratische Moderation der Kreissitzung

Zentrale Elemente:

  • Die Beteiligten reden nacheinander im Kreis und nicht in offener Diskussion (Vorteil: JedeR wird gehört und kann in der nächsten Runde dazukommende Gedanken ergänzen).
  • Klare Struktur durch Unterteilung in Runden:
    • Bildformende Runden: Sammlung aller relevanten Informationen zu einem Thema
    • Meinungsformende Runden: Äußerung der eigenen Meinung und Sammlung von Lösungsvorschlägen
    • Konsentrunden (Beschlussfassung ohne schwerwiegenden Einwand)
    • Der/die ModeratorIn arbeitet lösungsorientiert. Er/sie kann auch Gruppenmitglied sein.

Prinzipien der soziodemokratischen Moderation:

  • Alle Beteiligten haben die gleichen Möglichkeiten der Mitsprache und jedes Argument zählt (Gleichwertigkeit der Beteiligten)
  • Einwände werden als noch nicht gehörte Argumente vom Moderator umgewandelt und konstruktiv verwendet
  • ModeratorIn und Kreismitglieder sind gemeinsam verantwortlich für das Gelingen der Entscheidungsfindung.

Die Soziokratie wurde in den Niederlanden von Gerard Endenberg auf der Grundlage der Ideen des Sozialreformers Kees Boeke entwickelt.